Gegeben sind 10 ml einer 0,1 mol/l Phosphorsäure.
Ein Laborant stellt folgende Überlegung an: Phosphorsäure hat die
Formel H3PO4,
und da sie eine dreiprotonige Säure ist, berechnet sich der pH-Wert
nach pH=-log 0,3.
Grundsätzlich gelten für die
Phosphorsäure, wie für jede Säure, die Regeln zur pH-Wert
Berechnung, die unten noch einmal zusammengestellt sind. Was die
Angelegenheit hier (scheinbar) komplizierter macht, ist die
Tatsache, dass Phophorsäure eine dreiprotonige Säure ist. Eine
dreiprotonige Säure ist aber nichts anderes als eine Säure, bei der
aus der Dissoziation der ersten Stufe außer den Oxonium Ion H3O+
eine weitere Säure entsteht, hier das Dihydrogenphophat-Ion, H2PO4-.
Dieses Ion kann in Wasser wieder ein Proton abgeben, zusätzlich
entsteht das Hydrogenphosphat-Ion (HPO42-).
Wie man sieht besitzt auch dieses Ion wieder ein Proton, ist also
ebenfalls eine Säure.
Die Abgabe des positiven Protons an eine Base (hier Wasser) macht
bekanntlich die Säureeigenschaft aus und wird in der Reihenfolge der
oben genannten Säuren immer schwieriger werden. (Ein ungeladenes
Teilchen wie das H3PO4
kann ein positives Proton leichter abgeben als ein Teilchen, das
bereits negativ geladen ist wie das H2PO4-). Das spiegelt sich
auch in den Säurekonstanten wieder.
Damit wird die Konzentration der Oxoniumionen in der wässrigen Lösung einer mehrprotonigen Säure in erster Linie durch die Protolyse der ersten Stufe bestimmt. Denn erstens ist die zweite Stufe immer eine schwächere Säure als die erste und zweitens wird die Protolyse der zweiten Stufe noch durch die Protonen, die aus der ersten Stufe gebildet wurden, zurückgedrängt. (Prinzip von Le Chatelier). Dieses gilt insbesondere für mittelstarke und schwache Säuren, zu denen die Phosphorsäure gehört.
Das ist ein Glücksfall für den Chemiker, denn es
erspart ihm viele komplizierte Berechnungen.
Zur Phosphorsäure:
Gegeben: 0,1 mol/l H3PO4
pKs
H3PO4
= 2,12
Aus diesem Wert folgt, dass Phosphorsäure weder zu den
starken Säuren noch zu den schwachen gehört. Wie berechnet man also
den Ph-Wert?
1. Möglichkeit: Man definiert die Phosphorsäure als
schwache Säure:
dann ergibt sich ph = (pKs - log c)/2 (ungenau,
aber einfach)
pH = (2,12 + 1)/2
pH = 1,56
2. Möglichkeit: Man setzt die Zahlen direkt in das
Massenwirkungsgesetz ein:
(genauer, aber komplizierter)
c(H3O+)
* c (H2PO4-)
Ks =---------------------------------
c(H3PO4)
c(H3O+) * c(H3O+)
(Konzentration der DiHydrogenphosphat-Ionen ist gleich der der
Oxoniumionen)
7,6*10-3
= ---------------------------
0,1 - c(H3O+)
(Konz. der Säure verringert sich um die dissoziierten Oxonium
Ionen)
7,6*10-3
* ( 0,1 - c(H3O+) ) = c2
(H3O+)
Dieses führt zu einer quadratischen Gleichung, die
nach c(H3O+)
aufgelöst, eine Konzentration von 0,003 ergibt, somit den pH = 1,49
Man sieht, dass man sich mit der Formel für die Berechnung des
pH-Wertes für schwache Säuren behelfen kann, aber für diese
besonderen Fälle der mittelstarken Säuren eine korrekte
Berechnung nur dann durchgeführt wird, wenn man die exakten Werte in
das Massenwirkungsgestz einzusetzt und dann nach c(H3O+)
aufzulöst.
Die anderen Dissoziationsstufen der Phosphorsäure spielen für den
pH-Wert aus den oben genannten Gründen keine Rolle.
Matthias Rinschen (C) 2006 - 2009, Mail: deinchemielehrer [at] gmx [dot] de, Impressum