Seiten für Schüler
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Wie erklärt man die Farbigkeit von organischen Farbstoffen,
z. B.
Azofarbstoffen, Indigofarbstoffen u. ä.?
(Strukturformeln und Tabellen siehe einschlägige Lehrbücher)Licht und Farbe
Das Sonnenlicht, das man mit den Augen wahrnimmt
ist ein Teil des Spektrums aller elektromagnetischer Wellen,
die es in unserer Umgebung gibt. Zu diesen elektromagnetischen
Wellen gehören u. a. auch Rundfunkwellen, Mikrowellen,
infrarotes und Ultraviolettes Licht, Röntgenstrahlen, für die wir
aber kein Sinnesorgan haben. Sie unterscheiden sich in den
Wellenlängen - in der oben aufgezählten Reihenfolge nimmt die
Wellenlänge von einigen 1000m im Bereich der Rundfunkwellen bis zu
einigen pm (Picometer) bei den Röntgenstrahlen ab. Der Bereich des sichtbaren
Lichtes, auch das "Spektrum" reicht etwa von 700 bis 400 nm. Dabei
nimmt man längerwelliges Licht eher als rötlich wahr, kurzwelliges
mehr als bläulich.
Sehen wir das komplette Spektrum des
Sonnenlicht, so beschreiben wir seine Farbe als weiß, fehlt ein
Bestandteil des Spektrums, so sehen wir die sogenannte
Komplementärfarbe. Fehlt also der der blaue Anteil des
Lichtspektrums, werden wir die Farbe eher als rot beschreiben,
umgekehrt wird der Farbeindruck mehr bläulich sein, wenn der rote
Anteil des Spektrums fehlt. Dass wir viele tausend Farben sehen
können, hat seine Ursache in den unendlich vielen Möglichkeiten der
Kombinationen der fehlenden Bestandteile des Lichtspektrums.
Licht und Energie
Jede elektromagnetische Welle, die in den Raum
strahlt, transportiert Energie, für jeden leicht nachvollzeihbar,
der sich in die Sonnenlicht setzt und so den Rücken wärmt. Die
Energie wird um so größer, je kürzer die Wellenlänge ist. Blaues
Licht ist somit energiereicher als rotes Licht.
Licht und
Energie und Farbe
Wenn ein roter Körper in das Sonnenlicht
gestellt wird, reflektiert er nur den roten Teil des Sonnenlichtes,
den grünen, gelben und blauen absorbiert er. Sehr oft (nicht immer)
wandelt er den absorbierten Teil in Wärme um, der Körper wird warm.
Mit elektrischen Meßinstrumenten, den Spektralphotometern, kann man
messen, welcher Teil des Spektrums wie stark absorbiert wird. Man
erhält mit Hilfe dieser Geräte Kennlinien, üblicherweise "Spektren"
genannt. Die Spektren zeigen, wie groß die Absorption des Lichtes in
Abhängigkeit von der Wellenlänge ist. Solche Spektren werden
üblicherweise auch für den infraroten und ultravioletten Teil des
Spektrums erstellt. Sie sind immer stoffspezifisch, wie ein
Fingerabdruck und können zur Identifizierung der jeweiligen Substanz
dienen.
Die Farbigkeit organischer Stoffe - eine Frage der
Mesomerie (?)
Die Erklärung der Farbigkeit organischer Stoffe
wird in verschiedenen Modellen versucht, die alle ihre Vorteile und
Nachteile haben. Entweder sind sehr leicht zu verstehen, dann aber
recht ungenau. (z. B. Wittsche Farbtheorie) Oder das Modell ist sehr
komplex und dann auch recht exakt, dafür aber (zumindest für einen
Schüler) kaum verständlich. Zudem gibt es eine in allen Bereichen
wirklich schlüssige Theorie nicht, es bleiben immer Bereiche, die
nicht erklärt werden.
Ein recht brauchbarer Ansatz geht davon
aus, das Farbigkeit aufgrund bestimmter Mesomerieverhältnisse
entsteht.
Benzol ist farblos, Nitrobenzol schwach gelb und p
Nitrophenol ist schon deutlich gelb. Vergleicht man die Struktur
dieser Stoffe, so ergibt sich durch die Nitrogruppe am Benzolring
eine deutliche Ausweitung des mesomeren pi-Eletronensystems.
die beim p Nitrophenol durch die OH-Gruppe nochmals vergrößert wird.
Anscheinend hat die Farbigkeit etwas mit der Delokalisierung von pi-Elektronen,
also der Mesomerie derselben zu tun.
Eigentlich
hat man zwei Schreibweisen für das Benzol: Einmal ein regelmäßiges
Sechseck mit drei konjugierten Doppelbindungen. Diese benutzt man
üblicherweise, wenn man Reaktionen am Benzolring verdeutlichen will.
Dabei ist man sich bewußt, dass hierdurch die wahren Verhältnisse im
Molekül nicht im geringsten getroffen werden. Aber diese
Schreibweise ist eben praktisch zur Formulierung von
Reaktionsmechanismen.
Die zweite Schreibweise trifft die
Verhältnisse schon eher: Sechs C-Atome als regelmäßiges
Sechseck geschrieben mit einem Kreis in der Mitte. Verdeutlicht wird
dadurch, das die pi-Elektronen nicht einer einzeln C-C Bindung
zugeschrieben werden können, sondern über den gesamten Sechserring
delokalisiert sind, das, was man überlicherweise als Mesomerie
beschreibt.
Die Ursache dieser Mesomerie ist das überall in der
Natur geltenden Prinzip des Energieminimums, das nämlich
Stoffsysteme den für die herrschenden Bedingungen günstigsten
Zustand einnehmen. Und für das Benzol bedeutet das nun einmal, dass
lokalisierte pi-Elektronenpaare einen energiereicheren Zustand
darstellen, weil sie ja immer hervorragende Angriffpunkte für
elektrophile Teilchen bilden.
Diese Modellvorstellung von dem,
was man Mesomerie nennt und wodurch die Verhältnisse der
Elektronenverteilung im Benzolring beschrieben werden, kann ein wenig
zum Verständnis der Farbigkeit von organischen Verbindungen
beitragen. Im Gegensatz zum Benzol ist im Nitrobenzol das System
delokalisierter pii-Elektronen über drei weitere Atome der
Nitrogruppe ausgedehnt. Und je weiter ausgedehnt so ein System ist,
also je mehr pi Elektronen zu ihm gehören, desto leichter kann es
einen Zustand annehmen, den man als "angeregt" beschreibt.
Dieser angeregte Zustand wird durch die Aufnahme von Energie
erreicht, man kann sich vorstellen, dass die pi-Elektronen auf ein
höheres Energieniveau angehoben werden. Die für die Anregung
erforderliche Energie liegt beispielsweise für das Benzol im
UV-Bereich, für Farbstoffe im Bereich des sichtbaren Lichtes. Der
entsprechende Teil des Spektrums fehlt dann, der Stoff erscheint in
der Komplementärfarbe.
Ein gutes Hilfsmittel
zur Erkennung, wie gut ein pi-Elektronensystem angeregt werden kann,
sind die mesomeren Verhältnisse, die man mit Hilfe mesomerer
Grenzstrukturen verdeutlichen kann. Dabei kann man sich die folgende
Faustformel merken: Je mehr gleichwertige mesomere Grenzstrukturen
existieren, also je weiter ein mesomeres System delokalisiert ist,
um so leichter ist eine organische Verbindung anregbar. Und
das ist beim Nitrobenzol eindeutig eher der Fall als beim Benzol,
bei dem lediglich zwei mesomere Grenzstrukturen existieren. Je
leichter aber ein System anregbar ist, um so mehr verschiebt sich
sein Absorptionsmaximum in den länderwelligen Bereich: Benzol ist
farblos, es absorbiert im Ultravioletten Bereich, Nitrobenzol
absorbiert schon blauen Licht.
Noch größer ist das mesomere
System des Nitrophenols, entsprechend absorbiert es noch
längerwelliges Licht als Nitrobenzol, es ist kräftig gelb.
Halochromie - Bathochromie
Ein besonderer Effekt
ist zusätzlich beim p-Nitrophenol zu beobachten: Löst man es in
einer Base, zum Beispiel Natronlauge, so tritt eine deutliche
Farbvertiefung ein. p-Nitrophenol reagiert hier als Säure und gibt
das Proton seiner Hydroxigruppe ab, es bildet sich ein Salz. Daher
nent man diesen Effekt der Farbvertiefung (Bathochromie) bei
Sazlbildung saurer oder basischer Farbstoffe Halochromie (griech.
Hal, das Salz). Interessant ist hierbei das Zusammenwirken der
Nitrogruppe mit dem nun negativ geladenen Sauerstoff der ehemaligen
Hydroxigruppe. Dabei gibt der Sauerstoff ein freies Elektronenpaar
in das mesomere System des Benzolrings (+M-Effekt), die Nitrogruppe
nimmt eines heraus (-M - Effekt). Dadurch entsteht ein sogenannter
push-pull Effekt, der ein besonders gut delokalisiertes pi-Elektronensystem
zur Folge hat. Die Folge ist eine weitere Verschiebung des
Absorptionsmaximums in den längerwelligen Bereich.
Auxochrome - antiauxochrome Gruppen
Hiermit meint man
Gruppen mit +M-Effekt und -M-Effekt, die analog zur obigen
Beschreibung entsprechend im Zusammenwirken das mesomere System
vergrößern und so für eine Farbvertiefung sorgen.
Chromophore Gruppen
Der Name bedeutet eigentlich
"Farbträger". Ausgehend von der Tatsache, dass man bestimmte
Bestandteile in vielen organischen Farbstoffmolekülen wieder findet,
betrachtet man z. B. den Phenylrest, Azogruppe und ähnliche Systeme
mit konjugierten pi-Elektronen als Grundkörper von Farbstoffe,
im Zusammenwirken mit anderen Chromphoren, Auxochromen oder
Antiauxochromen einen Farbstoff bilden.
Eine schöne
Theorie?
Die Erklärung der Farbigkeit einer Substanz
mittels einer Farbtheorie wäre perfekt, wenn man voraussagen könnte,
wie sich das Absorptionsmaximum einer Substanz bei Einbringung
bestimmter Substituenten verschiebt. Dieses gelingt aber nicht
einmal zufriedenstellend bei einfachen Strukturen wie z. B.
einfachen konjugierten Doppelbindungssystemen denen man eine
Doppelbindung hinzufügt. (Siehe einschlägige Tabellen in den
Lehrbüchern). Es gibt genauere und exaktere, aber auch
kompliziertere Farbtheorien, die sicher besser sind als die obige
Beschreibung (siehe MO - Theorie). Aber auch diesen Konzepten
gelingt nicht eine stringente Farbtheorie.
Matthias Rinschen (C) 2006 - 2009, Mail: deinchemielehrer
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